Stadtgeschichte

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Beilngries lag bis zum Ende des 19. Jahrhunderts im Schnittpunkt wichtiger Nord-Süd- und Ost-West-Fernverbindungen. Erst die Streckenführung der Eisenbahn minderte die überörtliche Bedeutung des einstigen Knotenpunktes. Zuvor aber führte kaum ein Weg an Beilngries vorbei.

Konrad Kolb erhielt deshalb 1378 die lebenslängliche Nutzung einer Hofstatt in Beilngries mit der Auflage übertragen, für durchreisende Mönche jederzeit eine Herberge bereitzustellen. Auch die Reise der polnischen Königstochter Hedwig zur „Fürstenhochzeit“ nach Landshut führte 1475 über Beilngries, da in Regensburg eine Seuche ausgebrochen war.

13 Zünfte und eine wechselnde Anzahl von Händlern bzw. Krämern waren auf den Alltagsbedarf eines verhältnismäßig kleinen Einzugsgebiets eingestellt. Seit 1421 sorgten eine strenge Lebensmittelkontrolle und eine durchgreifende Überwachung der Handelswaren für Qualitätsangebote. Der geringe frei verfügbare Baugrund und die beschränkte landwirtschaftliche Nutzfläche hatten dem Zuzug und damit dem wirtschaftlichen Wachstum enge Grenzen gesetzt. So deckten die Erträge aus den Sonderkulturen von Hopfen, Zwiebeln und Weinbau auch nur den örtlichen Marktbedarf.

Vom Wein zum Bier

Dabei ist erwähnenswert, dass im Beilngrieser Raum wie im übrigen Bayern bis in die Mitte des 16. Jahrhunderts nicht Bier, sondern Wein das „Nationalgetränk“ war. Die Flurbezeichnung „Weinberg“ am Hirschberger Südhang erinnert daran. Dort ist der Weinbau noch bis 1679 nachgewiesen. Als der Siegeszug des Bieres nicht mehr aufzuhalten war, entschloss sich der Rat zum Bau eines Kommunbrauhauses. Bis 1809 stand dessen Benutzung unter Aufsicht eines städtischen Braumeisters jedem Bürger offen.

Zweifellos waren die Gaststätten einst wie heute ein bedeutender wirtschaftlicher Faktor der Stadt. Um 1900 lieferten immerhin noch zehn Bierbrauer genügend Nachschub. Im Revolutionsjahr 1848 suchte ein hiesiger Wirt beim Magistrat sogar um Ausschankgenehmigung von englischem Ale nach. Selbstverständlich ist die Beilngrieser Wirtschaftsgeschichte nicht ausschließlich eine Geschichte der Beilngrieser Gastwirtschaften, obgleich bereits 1447 die Einnahmen aus dem „Ungeld“, eine Art Getränkesteuer auf Wein, Bier, Met und Branntwein, nicht unerheblich waren.

Im ausgehenden Mittelalter ist innerhalb der Bürgerschaft ein gewisser Wohlstand feststellbar. Als Beleg dafür möge unter anderem die Tatsache gelten, dass spätestens ab 1545 eine öffentliche Wasserversorgung vorhanden war, deren Unterhalt durch private Zuwendungen und von den Pachtgeldern der städtischen Fischtröge getragen wurde.

Unter der Herrschaft der Fürstbischöfe

Diesem Gemeinsinn entspricht die Umschrift des ältesten Stadtsiegels, nämlich „Sigilum universitatis civium in Peylegriz“, das heißt: „Siegel der gesamten Bürgerschaft von Beilngries“. Diesem Beweis für ein bestehendes Gemeinwesen mit selbstständigem Rechtscharakter entsprach sicherlich das Streben nach kommunaler Selbstverwaltung. Aber es fehlten die rechtlichen und materiellen Voraussetzungen für die freie Entfaltung eines selbstbewussten Bürgertums, das entschlossen eigene Gesetze und Privilegien einem etwaigen landesherrlichen Übergriff entgegensetzen konnte. Versuche dieser Art erschöpften sich in der Argumentation, es war schon immer „uraltes Exercitio“, und ihre Billigung blieb damit dem Wohlwollen der Eichstätter Hofkanzlei anheimgestellt. Ohne Beschränkung durch ständische Einrichtungen oder städtische Privilegien konnte somit der Fürstbischof als Landsherr Gnaden, Rechte, Erlasse oder Anordnungen erteilen. Er bestellte Bürgermeister und Ratsherren in der Regel auf Lebenszeit, wobei allerdings im 16. Jahrhundert dem Rat ein Vorschlagsrecht eingeräumt wurde.

Selbstverständlich wurde die Verwaltung, einschließlich der Finanzen, laufend vom fürstbischöflichen Pfleger zu Hirschberg beziehungsweise später von Seiner Exzellenz, dem fürstbischöflichen Oberamtmann des Oberamtes Hirschberg, überwacht.

Plündernde Bauern und gierige Kriegsherren

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Die Beilngrieser Stadtmauern hielten manchem Angriff stand, doch Freund und Feind zehrten in den kriegerischen Auseinandersetzungen vom 16. bis ins frühe 19. Jahrhundert die wirtschaftlichen Reserven der Stadt auf.

In der Güterbeschreibung von 1499 wird zwar immer auf ein Rathaus Bezug genommen, aber in Wirklichkeit standen lediglich zwei Räume im bischöflichen Getreidekasten als Ratsstube zur Verfügung. Der jährliche Mietzins dafür betrug zehn Gulden. Zum eigenen Rathaus kamen die Beilngrieser erst 1850, als ihnen der bayerische Staat den ehemaligen Getreidekasten, das heutige Haus des Gastes, um 1000 Gulden überließ. Auch ein Markt oder Marktplatz fehlte. Der Kirchenvorplatz entstand erst 1910 nach Abbruch der alten Pfarrkirche, deren Neubau westlich des Nordturms errichtet wurde. An Schrannentagen standen deshalb die Getreidefuhrwerke vom oberen Tor (bei der Brauerei Schattenhofer) entlang der Hauptstraße bis zum unteren Tor (etwa an der Kreuzung Ingolstädter/Kelheimer Straße), manchmal sogar in Doppelreihe.

Die Erwähnung der Torschmiede beim unteren Tor und eines Gartens vor dem oberen Tor beweist, dass Beilngries bereits 1407 mit einer Mauer umgeben war. In den folgenden Jahren wurde die Sicherheit wohl durch einen Wassergraben erhöht, denn im bischöflichen Zinsbuch findet sich 1447 der Eintrag: „Der Graben um Beilngries gehört den Herren von Eichstätt“. Dank ihrer Wehranlagen konnten die Bürger 1525 die angreifenden Bauern blutig abweisen, während das nahe Kloster Plankstetten ausgeraubt und zerstört wurde. Sicherlich trug schon allein die Tatsache einer Befestigung viel dazu bei, dass die Stadt während des Schmalkaldischen Kriegs 1546 und in den folgenden kriegerischen Auseinandersetzungen von Handstreichen kleinerer Truppenteile verschont blieb.

Schweden vor den Toren

Die Beilngrieser wehrten sich 1633 erfolgreich gegen eine schwedische Reiterabteilung von etwa 300 Mann. Als jedoch Tage später Herzog Bernhard von Weimar mit der Hauptmacht erschien, wurde ihm die Stadt kampflos übergeben. Vorausgegangen waren monatelange Verhandlungen mit „Bartholome Herrn von Zerotin, der Schwedischen Garnisonen im Stifft Eystett commendant“. Offenbar hatten sich die Beilngrieser geschickt einer Hinhaltetaktik bedient. Beilngries besitzt heute noch den Schutzbrief des schwedischen Heerführers, der jeglichem Kriegsvolk Brandschatzung oder Plünderung in Beilngries verbot. Im März 1634 legte der Stadtschreiber ein Ausstandsverzeichnis „der Schwedischen Kriegs Generain hohen und nidern officiern, als weinmarisch: Scerodtinisch: und Sperreuttisch: alt und neuen Brandtschazungen, Ranzionen und Contributionen“ an. Vom Landesherrn erhofften sie Hilfe, „weiln wir nun in der Warheit ganz außgesogen“. Das hielt aber den schwedischen Oberstleutnant Simon Ramel nicht davon ab, im gleichem Jahr von Beilngries und den umliegenden Dörfern immer wieder zusätzlich Geld, Lebensmittel und Pferdefutter zu fordern. Dabei war der edle Herr in Berching einquartiert. Als 1648 die Friedensglocken das Ende der dreißigjährigen Schreckenszeit verkündeten, war Beilngries zwar weder gebrandschatzt noch geplündert, aber restlos „ausgesaugt“ von Freund und Feind. Es dauerte fast ein halbes Jahrhundert, ehe sich Gewerbe  und Landwirtschaft wieder erholten. Die tatkräftige Unterstützung des Landesherrn wird gleichsam mit der Stiftung des Hochaltars durch Fürstbischof Johann Euchar beim Neubau der Pfarrkirche in den Jahren 1693 bis 1695 dokumentiert.

Beilngries wird salzburgerisch

Dem vorzeitigen Griff in die fürstbischöflichen Kassen folgte 1803 die Übergabe des unteren Hochstifts an den Salzburger Kurfürsten Erzherzog Ferdinand. Er erhielt das Kernstück des ehemaligen Fürstbistums Eichstätt aufgrund des Reichsdeputationshauptschlusses als Entschädigung für seinen Verlust des Großherzogtums Toskana. 1805 wurden aus den salzburgischen wieder bayerische Untertanen. Nun „durften“ sich auch die Beilngrieser bis 1812 spürbar an den „vaterländischen Verpflichtungen“ beteiligen. Kurzum, mit dem Ende des napoleonischen Zeitalters war das hiesige Gebiet hoffnungslos verarmt. Es dauerte fast eine Generation, bis sich wieder Ansätze einer finanziellen Gesundung zeigten.

Einen bedeutenden Anteil am wirtschaftlichen Aufschwung hatte die 1811 wieder errichtete Schranne. Die Wiegegebühren aus dem Getreidehandel füllten allmählich den Stadtsäckel. Bauern und Getreidehändler aus der Umgebung sorgten jeden Donnerstag dafür, dass der Umsatz der örtlichen Gewerbetreibenden merklich anstieg. Ferner war im September 1848 „der hiesigen Stadtgemeinde allerhöchst gestattet worden“, am zweiten und vierten Dienstag eines jeden Monats einen Viehmarkt abzuhalten.

All dies zusammen hätte aber noch keine anhaltende wirtschaftliche Aufwärtsentwicklung bewirkt. Gesellschaftspolitische Veränderungen wie die endgültige Aufhebung des Zunftzwangs, die vermehrte Ablösung der realen Handwerksgerechtsamen durch personelle Konzessionen oder die Beseitigung der Grundhörigkeit waren dafür ebenfalls ausschlaggebend.
 

Eisenbahn und Kanal

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Im 19. und 20. Jahrhundert begann Beilngries sich langsam zu erholen, musste aber auch Rückschläge einstecken: Die Bahnlinie wurde anderswo gebaut, und auch der Ludwig-Donau-Main-Kanal brachte nicht den erhofften Aufschwung.

Mit der Einfüllung des Stadtgrabens 1821 hatte auch der Begriff des ummauerten Bürgers seine Bedeutung verloren. Jahrhundertelang hatte der Befestigungsring die Anzahl der Anwesen auf etwa 140 beschränkt, in denen bis 1830 knapp eintausend Einwohner lebten. Sechzig Jahre später bewohnten rund 1900 Bürger 264 Häuser. Beim Ausbruch des Zweiten Weltkriegs wurden 2024 Einwohner gezählt. Mit der Eingliederung von Neubürgern wuchs die Bevölkerung sprunghaft auf über 3000 an. Die heutige Großgemeinde mit 20 Ortsteilen hat 2014 einen Stand von 9528 Einwohnern erreicht.

Vergeblich suchte der hiesige Magistrat 1858 in Verbindung mit den Städten Neumarkt und Berching die Führung der geplanten Bahnstrecke Nürnberg-Ingolstadt über Beilngries zu erreichen. Die Anbindung an das Schienennetz erfolgte 1887 über eine Lokalbahn nach Neumarkt. Das Teilstück Beilngries-Kinding der Bahnlinie nach Eichstätt wurde erst 1931 fertiggestellt. 1965 begann die damalige Bundesbahn, den Schienenverkehr einzustellen. Auch der Ludwig-Donau-Main-Kanal Ludwigs I. brachte nach seiner Eröffnung 1846 nicht den erhofften wirtschaftlichen Erfolg. Im Beilngrieser Kanalhafen wurde neben landwirtschaftlichen Erzeugnissen vor allem Holz geladen.

Am 31. Juli 1992 erfolgte bei Beilngries der Durchstich der Main-Donau-Kanaltrasse. Der Wasserweg vom Schwarzen Meer zur Nordsee wurde am 25. September 1992 freigegeben. Welche Bedeutung dem Europakanal für die Stadt zukommen wird, bleibt abzuwarten.

Mittelständisches Gewerbe war und bleibt vorerst die Grundlage des wirtschaftlichen Wachstums. Die Gebietsreform von 1972 brachte den Verlust des Landratsamtes und weiterer Behörden. Trotzdem versank Beilngries nicht in den Dornröschenschlaf. Seine landschaftlichen Besonderheiten, die liebenswerten  Eigenheiten einer bayerischen Kleinstadt und ein aufmerksamer  Service bilden die Grundlage für den Fremdenverkehr des staatlich anerkannten Erholungsortes im Naturpark Altmühltal.

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